Die Kerzen sind runter gebrannt, die CD hat schon lange aufgehört zu spielen, die Flasche Scotch ist leer. Die Wanne ist bis oben hin mit Wasser gefüllt, das schon lange abgekühlt ist. Ich war geistig so abwesend, dass mir das alles gar nicht aufgefallen ist. Plötzlich fröstelt es mir und eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper aus. Mir wird immer kälter. Meine Zähne beginnen zu klappern.
Wie lange ich schon so daliege, weiß ich nicht. Die einzige Bewegung, die mein Körper hin und wieder ausgeführt hat, war der unbewusste Griff zur Flasche. Immer noch laufen mir die Tränen wie Bäche über die Wangen. In meinem Kopf dreht alles, Gedanken fliegen bruchstückartig hin und her. Effekt des Alkohols. Naja, das macht nichts. Vorher war es eigentlich auch nicht viel besser, da oben in meinem Kopf.
Langsam rutscht mein Körper immer tiefer in die Wanne. Ich hole tief Luft, dann tauche ich ab. Die Augen halte ich noch fest geschlossen. Nach einigen Sekunden atme ich langsam aus. Ich öffne die Augen. Ich sehe die Bläschen aufsteigen und die Wasseroberfläche durchbrechen. Der Sauerstoff in meinen Lungen ist aufgebraucht, doch ich bleibe unter Wasser. Als es kaum mehr zum Aushalten ist, öffne ich den Mund und atme ein. Meine Lungen füllen sich schmerzhaft mit dem eiskalten Wasser.
Plötzlich sind meine Gedanken wieder klar. Ich tauche so schnell ich kann auf. Ich huste und ringe nach Luft, alles gleichzeitig. Meine Atemzüge sind hektisch und ungleichmäßig. Das Wasser ist übergeschwappt und das halbe Badezimmer steht unter Wasser. Mein Gehirn schafft es wieder, ganze Gedanken zu produzieren. Der Alkoholgehalt in meinem Blut scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Ich lasse das kalte Wasser auslaufen. Als die Wanne leer ist, hat sich auch mein Atem wieder beruhigt. Um meinen kühlen Körper wieder aufzuwärmen, lasse ich warmes Wasser einlaufen. Nach ein paar Minuten ist mir wieder halbwegs warm. Ich stehe auf und trockne mich ab.
Ich schaue in den Spiegel und muss mit dem Kopf schütteln. Wären meine Gedanken nicht plötzlich wieder klar gewesen, hätte ich mich wohl noch umgebracht. Und das alles wegen ihm? Er hat mein Herz gebrochen und fast hätte er mein ganzes Leben zerstört. ‚Nein, meine Liebe', sage ich mir ‚das ist er wirklich nicht wert'. Ich muss sogar ein bisschen über meine kleine Dummheit lächeln. Ich schreibe mit dem Finger ‚Life still goes on' auf den mittlerweile mit Dampf überzogenen Spiegel und verlasse das Badezimmer.
[Dieser Text ist in keinster Weise realitätsbezogen.]